Archiv für die Kategorie ‘Verwirrt’

Die Sache mit dem Wechselgeld

Mittwoch, 04. August 2010

London. Der Kellner bringt die Rechnung in einem Lederetui. In dieses Lederetui legen die Gäste den zu bezahlenden Betrag plus das Trinkgeld. Keinem der Gäste fällt auf, dass auf der Rechnung noch ein Posten fehlt.

Nach einigen Minuten kommt der Kellner erneut an den Tisch, erklärt etwas verlegen, dass er leider noch etwas auf der Rechnung vergessen habe. Dabei legt er den Beleg in das Lederetui. Es ergeben sich noch ein paar allgemeine Fragen der Gäste. Nachdem der Kellner diese beantwortet hat, nimmt er das Lederetui mit den Worten “I’ll return the change in a minute” auf und geht vom Tisch. Verwunderte Blicke der Gäste, da diese noch gar keine Zeit hatten, das Geld für die zweite Rechnung hinzuzufügen.

Nachdem der Kellner verschwunden ist, kommt er schnellen Schrittes und mit einem verlegenen Blick mit dem Etui wieder….

Fremdschämen

Montag, 07. Juni 2010

London. Buchhandlung.

Gemütliches Stöbern der Anwesenden zwischen den Büchern.

Auf einmal tönt es in breitem Dialektdeutsch aus Richtung der Kasse: “Gibt’s hier auch Essen? Mangare?”
Irritierter Blick der Kassiererin. Hilflos fragender Blick in Richtung ihrer Kollegin.
Kunde: “Happa Happa” und macht eine kombinierte Bewegung des “Essens-mit-der-Hand-zum-Mund-führen” und des Kauens.

Kassiererin ist noch mehr iritiert.

Kunde geht schimpfend nach draußen: “So ein Saftladen. Nichtmal zu essen haben die was, und deutsch können die auch nicht.”

Ich schaue, dass ich aus dem Laden komme, ohne als Deutscher erkannt zu werden….

Wenn man zu einfach strukturiert ist….

Mittwoch, 12. Mai 2010

Aus dem Support eines sozialen Netzwerkes:

Sehe geehrtes Team[...],
Seit ein paar Tagen chatte ich mit einer Userin Namens [...],
Diese Person spioniert personenbezogene  Daten von anderen Usern aus und tauscht diese mir anderen Userinen aus.
Auch besitzt die selbe Person noch ein zweites Profil unter dem Namen [...].
Ich werde gegen diese Person eine Anzeige wegen Datenmissbrauch und Verläumdung zu meiner Person erstatten.
Ich vordere sie hiermit auf dies zu prüfen und die Userein darauf hin zu weisen das sie sich strafbar gemacht hat.
Ich bin im Desitz des Datenverkehrs die sie mit einer anderen Userinnen hatte.
Sie hat über mich Informationen eingeholt obwohl sie in keiner Weise dazu die Berechtigung besitzt.
Es wurden Pesonen und Telefondaten über mich an andere User ausgetauscht.
Ich erwarte in Kürze eine Nachricht von Ihnen!

Der Nutzer gibt also seine Daten freiwillig im Rahmen von privatem Kommunikationsverkehr (private Messages) an eine andere Nutzerin weiter und beschwert sich dann beim Betreiber des Netzwerkes darüber, dass diese die Daten ihrerseits fröhlich weiter tauscht und verlangt vom Betreiber Maßnahmen dagegen.

Und morgen gehe ich zur Telekom und beschwere mich darüber, dass ich dauernd Werbeanrufe bekomme, weil ich der komischen Callcentertante letzte Woche per Telefon meine ganzen privaten Daten heruntergebetet habe….

Manchmal, aber nur manchmal wundere ich mich über die absurden Gedankengänge mancher Mitmenschen. Oder sind wir doch nur in einem großen Kindergarten?

Leiblicher Vater nicht blutsverwandt

Montag, 10. Mai 2010

Aus einem Forum:

Haii ihr Lieben,

mein Freund und ich wollen nächstes Jahr heiraten.
Wir wollen aber den Namen seines verstorbenen Vaters annehmen sagen wir mal “Name A” da mein Freund aber den Namen seiner Mutter hat, da die beiden nicht verheiratet waren ( “Name B” ) und ich den “Name C” habe.
Können wir da ohne weiteres den Name A annehmen oder müssen wir da etwas bezahlen?

Vielen Dank schon mal

Antwort eines Nutzers:

nein geht nicht da ihr mit dem jenigen nicht direkt verwandt seid

Da hat wohl jemand was gründlich missverstanden….

Nachtrag:

Nachdem der Nutzer von anderen Nutzern darauf hingewiesen wurde, dass ein leiblicher Vater immer blutsverwandt ist, kam:

jop sorry wegen dem vatermissverständnis

aber das glaub ich nicht ganz das man einfach den nachnamen ändern kann.
es wäre in dem fall ja eine adoption, die aber nicht mehr möglich ist da sein dad tod ist

Da hat wohl jemand eine etwas eigensinnliche Vorstellung der Rolle eines leiblichen Vaters.

Wirre Gesetzesinterpretation durch Polizei

Freitag, 23. April 2010

Das Umsatzsteuergesetz regelt, dass alle Unternehmen der Umsatzsteuerpflicht unterliegen. Das bedeutet, dass ein Unternehmen auf seinen Rechnungen die Umsatzsteuer erheben und zu Beginn des nächsten Monats (oder bei geringeren Umsätzen zu Beginn des nächsten Quartals) an das Finanzamt weiterleiten muss – abzüglich der selbst bezahlten Umsatzsteuer bei Einkäufen. Die Umsatzsteuer ist für Unternehmen also ein Posten, der durchgereicht wird, und von dem sie nichts haben (mal von der Verwaltungsarbeit abgesehen, die aber durch die notwendige Buchführung ohnehin anfällt). §1 UStG besagt sogar explizit:

Die Steuerbarkeit entfällt nicht, wenn der Umsatz auf Grund gesetzlicher oder behördlicher Anordnung ausgeführt wird oder nach gesetzlicher Vorschrift als ausgeführt gilt;

Eine Ausnahme hiervon ist nur möglich, wenn das die Rechnung stellende Unternehmen ein Kleinunternehmen nach §19 UStG ist.

Im vorliegenden Fall hat ein Anbieter von Online-Diensten (für den §19 UStG nicht zutrifft) Ermittlungsanfragen bzgl. der Beauskunftung von gespeicherten Nutzer-Bestandsdaten erhalten – diese müssen beantwortet werden, wenn man nicht Gefahr laufen will, dass die Server beschlagnahmt werden. Diese Anfragen wurden beantwortet und nach JVEG in Rechnung gestellt – mit der nach §1 UStG  fälligen Umsatzsteuer, deren Erhebung übrigens auch in §12 JVEG Abs.1 Nr. 4 nochmals explizit gestattet ist.

Brief von der Polizeibehörde:

Gem. §12 Abs. 1 Nr. 4 JVEG darf diese (die Umsatzsteuer, Anm. d. Redaktion) erhoben werden, sofern sie nicht nach §19 Abs. 1 des Umsatzsteuergesetzes unerhoben bleibt. Da die gesamten Auskunftsersuchen der Polizeidirektion [Ort] im vergangenen Kalenderjahr 17.500,00 EUR nicht überstiegen und auch im laufenden Kalenderjahr nicht davon ausgegangen werden kann, dass der Gesamtumsatz 50.000,00 EUR übersteigt, sind Sie nicht berechtigt der Polizeidirektion [Ort] die Umsatzsteuer zu berechnen. Deshalb bitten wir Sie, uns künftig Rechnungen ohne ausgewiesene Umsatzsteuer zu stellen.

Autsch. In mehrfacher Hinsicht.

1) Betrifft die Ausnahmeregel das die Rechnung stellende Unternehmen (den der Umsatzsteuerpflicht unterliegende Anbieter der Online-Dienste).
Würde die Regel wie von der Polizeidirektion interpretiert gelten, so könnte jeder Unternehmer, dessen Umsatz die in §19 UStG genannten Grenzen nicht überschreiten, bei seinen Einkäufen auf die Befreiung der Umsatzsteuer bestehen. Viel Spaß bei dem Versuch…

2) Bezieht sich der §19 UStG nicht nur auf einen Tätigkeitsbereich eines Unternehmens, sondern auf die gesamten getätigten Umsätze

3) Ist die Polizeidirektion kein Unternehmen im Sinne des UStG

Rechnung unter dieser Nummer

Donnerstag, 08. April 2010

Sommerabend. Idyllisch gelegenes Cafe am Flussufer im Grünen. Draußen wird es langsam kühler, aber nicht zu kühl. Herrlicher Abend zum Inlinen. Auf halbem Weg wird an besagtem Cafe Pause gemacht. Zwei bis drei andere Tische im Außenbereich sind noch besetzt. Die Bedienung kommt nach einigem Warten und nimmt die Bestellungen der beiden Inliner auf. Die Getränke kommen.

Der Abend schreitet voran, die Dämmerung setzt ein, und die Tische leeren sich schon bald nach der Ankunft der beiden. Nach einer dreiviertel Stunde wollen die beiden weiter. Von der Bedienung ist jedoch nichts zu sehen und mangels Inlinern und etlichen Treppen der Gang ins Innere mehr als wagemutig. Nach einer weiteren Viertelstunde ist die Bedienung noch immer nicht erschienen und die beiden beginnen, die Möglichkeiten zu erörtern. Schließlich nimmt einer der beiden sein Handy, sieht auf der Getränkekarte nach, ob sich darauf die Telefonnummer des Cafes befindet. Bingo. Die Person am anderen Ende ist stark irritiert. Die Bedienung peinlichst berührt in rekordverdächtigem Tempo am Tisch: “Ich wusste gar nich, dass da noch jemand da ist.”

Mio Amore

Mittwoch, 07. April 2010

Cafe. Vorderer Bereich und hinterer Bereich. Der hintere Bereich ist quer zum vorderen Bereich gebaut. Beim Betreten des Cafes fällt auf, dass der vordere Teil bereits zu drei Vierteln gefüllt ist – und es ist laut. Eine ruhige Unterhaltung, wozu das Treffen dienen soll, ist nicht oder nur eingeschränkt möglich. Also nach hinten  – am Kellner vorbei. Dort ist es schön ruhig. Tisch gesucht.. nicht direkt am Durchgang, damit der Lärm von vorne nicht so stört.

Nachdem nach 15 Minuten noch keine Karte kommt und auch niemand nach den Wünschen gefragt hat, wird also Eigenengagement fällig. Die Reaktion des italienischen Kellners: “Mio amore… sie sind dahinten? Ich komme sofort”. Die Karten kommen, gewählt ist schnell und der Kellner kommt bald wieder, um die Bestellung aufzunehmen. Das Essen ist schnell zubereitet, schmeckt vortrefflich.
Nach einiger Zeit kommt der Kellner erneut, räumt ab und fragt, ob er wegen Schichtwechsels kassieren darf. Darf er. Der Rest der nach der Bezahlung des ersten Teils bleibt ist 10 EUR genau. Hm.. macht 11 EUR mit Trinkgeld.

Der Kellner ist zufrieden. Die beiden Gäste auch und bleiben. Irgendwann fällt auf, dass sich die 10 EUR aus 8 EUR für den Salat und 3 EUR für das Wasser zusammensetzen. In Deutschland gibt das 11 EUR. In Italien wohl 10. Nunja… es gab ja Trinkgeld, das ausreicht, damit der Gute nicht drauflegt.

Das Beste – wie so oft – aber zum Schluß: Nachdem das Restaurant nach einer weiteren Stunde verlassen wird, entgleist dem zwischenzeitlich neu eingetroffenen Kellner das Gesicht, da er die Gäste nicht kennt “wo kommen Sie her?”.

Da hat wohl ein “Mio amore” nicht sehr lange angehalten und bei der Übergabe versagt….

Kinokasse

Samstag, 06. März 2010

Schlange an der Kinokasse. Vor mir wird 2 mal “Schutter Island” (gesprochen wie hier geschrieben) verlangt. Die Dame an der Kasse kommt dem Wunsch nach und fängt an, das Wechselgeld aus der Kasse zu kramen. In dem Moment kommt von der Seite der vorherige Kartenkäufer und reklamiert. Das verwirrt die Gute. Das herausgegebene Wechselgeld stimmt nicht mehr.

Die reklamierten Karten werden aufwändig storniert und neu ausgedruckt. Parallel das Wechselgeld nochmal neu abgezählt.

“Zeit, Feierabend zu machen”, meint sie entnervt, als die Reihe an uns ist.

2 Mal die Karten für den 3D Film. Wir bezahlen, die Dame drückt uns die Chips für die 3D Brillen in die Hand, erkundigt sich beim Nächsten nach dessen Wunsch und wir sind – etwas gedankenverloren, weil mitten im Gespräch – glücklich und machen uns auf dem Weg zum Saal. Dort wünscht man die Karten zu sehen. Karten? Ham wa nich. Wir haben die Chips. Kurzes nachdenken – wir wissen ja nichtmal auf welchen Plätzen wir sitzen sollen (was wurscht wäre, da nur ca 30 Leute in dem für geschätzt 150 Besuchern konzipierten Saal sind).

An der Kasse werden uns wortlos die Karten gereicht. Die Dame hat sichtbar genug für heute.