Archiv für die Kategorie ‘Soziale Netze’

Guter Journalismus?

Sonntag, 23. Januar 2011

Wodurch zeichnet sich guter Journalismus aus?

Richtig. Objektivität, Sachlichkeit, ein gut recherchierter Sachverhalt, über den berichtet wird, ohne den eigenen Standpunkt einfließen zu lassen. Und: eine Berichterstattung, die anhand von Fakten und unbeeinflusst von wirtschaftlichen Interessen informiert und nichts verschweigt. Sicher auch noch der eine oder andere zusätzliche Punkt.

In Ulm gibt es als größten Tageszeitungsverlag die Südwest Presse, die in Form der “Neuen Pressegesellschaft” zur Ebner-Verlagsgruppe gehört. Die Südwest-Presse ist seit Jahr und Tag in Ulm Platzhirsch und hat keine nennenswerte Konkurrenz. Und die Südwest-Presse gibt – ebenfalls seit Jahr und Tag (oder zumindest war das meinem Empfinden nach schon immer so) – ein wöchentliches kostenloses Anzeigenblättchen heraus, das Ulmer Wochenblatt. Seit einiger Zeit tut sie das nicht mehr selbst, sondern das macht die Tochterfirma “NAK” (Neue Anzeigen- und Kommunalblatt GmbH) für die SWP. Die sitzt in einem Nebengebäude der SWP.

Um das Ganze zu vervollständigen: Seit Mai 2010 sitzt die Ulmer Niederlassung des Freizeitportals eraffe, das über das Freizeit- und Partyleben der Stadt berichtet ebenfalls im Hauptgebäude der SWP. Direkt in den Räumen der Online-Abteilung der SWP. Und es kann vorkommen – so hört man gerüchteweise – dass die SWP Akkreditierungen für die SWP Online vornimmt und dann eraffe-Fotografen auftauchen. Soweit. Sogut.

Am 12.1.2011 titelte das Wochenblatt in seinem Aufmacher auf der Titelseite “Ulm bei Facebook, Xing, eraffe & Co.”. Online gibt es den Artikel hier. Schön, dass sich damit beschäftigt wird und über die Nutzung von sozialen Netzwerken berichtet wird. Doof nur, dass der Artikel Fakten einfach verschweigt. Denn mit Team-Ulm.de gibt es in Ulm ein regionales soziales Netzwerk, das nicht nur das mit Abstand älteste (über 11 Jahre alt), sondern auch mit 200 Mio. monatlichen Seitenaufrufen, einer Million Besucher pro Monat und über 520.000 registrierten Nutzern sowie bis zu 12.000 Nutzern, die in den Stoßzeiten gleichzeitig online sind, das mit Abstand gefragteste Netzwerk der Region ist (als Betreiber von Team-Ulm.de kenne ich die Zahlen, und brauche daher keine Quellen zu bemühen ;-) ).

Ob der Artikel Team-Ulm.de verschweigt, weil es keinerlei wirtschaftliche Verflechtung zur SWP gibt, oder man gar einen Konkurrenten fürchtet? Wer weiß. Vielleicht sollte man das Wochenblatt auch einfach nur als Anzeigen-Käseblättchen betrachten und dort keinen Journalismus erwarten. Womit der Verlag rationalisieren könnte. Denn wozu bräuchte man dort dann noch Redakteure….

Beim Wochenblatt jedenfalls kennt man Team-Ulm.de mit Sicherheit. Bis Ende Dezember 2010 nutzte Team-Ulm.de nämlich Räumlichkeiten im selben Gebäude wie das Wochenblatt. Nur ein Stockwerk höher.

Verantwortungslose Eltern

Mittwoch, 08. Dezember 2010

Anruf beim Betreiber eines regionalen Sozialen Netzwerkes:
“Ja Guten Tag, es gab in einer Klasse ein Problem zwischen zwei Schülerinnen, die sich über private Nachrichten auf ihrem Portal beleidigt haben.”
“Darf ich fragen, welche Rolle Sie in dem Sachverhalt einnehmen?”

“Ich bin Elternbeirätin an der Schule. Die Mutter einer der beiden Schülerinnen hat mich höchst entrüstet angerufen und mir das berichtet. Sie versteht selbst leider nichts von Computern, daher hat sie mich gebeten, sich zu erkundigen, ob der Absender einer Nachricht die auch beim Empfänger löschen kann?”

Manche Eltern schämen sich wohl vor nichts, wenn es darum geht, die eigene Verantwortung wahrnehmen zu müssen…. Denn um die Frage zu stellen oder die Antwort zu verstehen muss man nichts von Computern verstehen.

Weshalb Facebook massiv Arbeitsplätze in der deutschen Medien- und Werbewirtschaft vernichten wird

Dienstag, 26. Oktober 2010

Neulich erreichte mich ein Tweet, der meine besondere Aufmerksamkeit erregte. Es ging um den Vergleich der größten deutschen Sozialen Netzwerke und deren Entwicklung in den letzten Monaten. Und um dasselbe bei Facebook. Verlinkt war ein Blogeintrag des Schweizers Thomas Hutter, der sich beruflich mit Sozialen Netzwerken beschäftigt.

Dieser hat für seine Betrachtungen die Zahlen von Google Adplanner (ein Mediaplanungstool von Google) der größten deutschen Sozialen Netzwerke mit denen von Facebook verglichen. Nun sind die Zahlen von Google Adplanner sicher nicht der Weisheit letzter Schluss, denn deren Herkunft ist unklar und Google trifft dazu keine Aussagen. Und aus eigener Erfahrung weiss ich, dass nicht einmal die Zahlen von Google Analytics (das aktiv in die Webseiten, die es misst eingebunden wird und daher deutlich realistischere Werte erzielt) mit denen von Google Adplanner übereinstimmen.

Was Adplanner aber zweifellos kann, ist (solange Google nicht die Systematik der Datenerhebung ändert)  zweifellos Trends wiederzugeben. Und genau darauf habe ich mich bei der Betrachtung der Analysen von Thomas Hutter konzentriert. Diese zeigen, dass ALLE größeren Sozialen Netzwerke, die er in seiner Analyse betrachtet hat, seit Jahresbeginn 2010 an Nutzer verloren haben – mit Ausnahme von Facebook, das ein fast schon kometenhaftes Wachstum hingelegt hat.

Dramatisch trifft es geradezu die VZ-Netzwerke und MySpace. Am wenigsten mussten Twitter und Youtube Federn lassen.

Wenn man sich dann noch darüber hinaus direkt in Google Adplanner andere Soziale Netzwerke in Deutschland anschaut wird eines klar: Es ist allgemein ein Rückgang zu verzeichnen. Bei manchen mehr, bei manchen weniger. Die regional fokussierten trifft es dabei eher weniger, die größeren Überregionalen trifft es durchschnittlich stärker.

Wenn man nun meinen Beitrag von neulich reflektiert und mit diesem hier gedanklich zusammenführt bleibt eine zentrale Erkenntnis: Facebook zieht “deutsche” PIs von Deutschland nach Amerika. Und damit auch direkt AdImpressions – das sind Einblendungen von Werbebannern.

Auf größeren Webseiten und in sozialen Netzwerken werden die Werbeeinblendungen im Regelfall voll oder zu großen Teilen von sogenannten “Vermarktern” vermarktet. Das sind Agenturen, die sich darauf spezialisiert haben, solche Werbeflächen an Werbekunden in Paketen zu vermitteln und die dafür einen Teil des Umsatzes behalten.

Allen betroffenen Medien und Netzwerken sowie Vermarktern gemein ist, dass durch die sinkenden Werbeeinblendungen und sinkenden Nutzerzahlen auch die Werbeeinnahmen sinken. Und nicht nur das: durch die Reduzierung der Reichweite verliert Werbung der betroffenen Medien zusätzlich an Wert. Das Problem wird sich momentan noch nicht so offenbaren, da in der Werbebranche das mit Abstand stärkste Quartal 4 gerade begonnen hat und hier die Nachfrage das Angebot oft um ein Vielfaches übersteigt. Aber: im Frühjahr wird es dann das böse Erwachen geben, wenn sich die Umsatzzahlen nicht erholen werden und womöglich weiter einbrechen.

Viel beunruhigender dürfte aber eben der Umstand sein, dass die Zahlen im Laufe dieses Jahres nicht überall nur leicht gefallen sind, sondern teilweise ganz dramatisch. Am Beispiel der VZ-Netzwerke am besten zu sehen. Damit gehen diesen und ihren Vermarktern auch genauso dramatisch Umsätze flöten und die Werte für Sonderwerbeformen gehen ebenfalls in den Sturzflug über. Das heisst dann eher kurz- als langfristig, dass auch Arbeitsplätze reduziert werden müssen, weil einfach die Umsätze fehlen, um diese weiter zu finanzieren.

Branchenweit betrachtet bedeutet das, das aufgrund des Erfolgs von Facebook und der weiter zunehmenden Nutzung von Facebook hier in Deutschland in der Werbebranche und in der Medienbranche Arbeitsplätze wegfallen werden. Weshalb sind dann genau diese Branchen, die Branchen, die durch das ständige Erwähnen und Hypen von Facebook dessen Erfolg noch weiter pushen und kostenlose Werbung für Facebook machen? Stehen die Mitarbeiter der genannten Branchen etwa darauf, ihre eigenen Arbeitsplätze zu vernichten?

Hat irgendwie was von Sado Maso. Oder von Selbstverstümmelung.

***

Update : 15:26 Uhr: Thomas Hutter ist Schweizer und heisst nicht Hutterer

Wie bei regionalen Medienunternehmen Existenzen verzockt werden könnten

Dienstag, 19. Oktober 2010

Rein hypothetisch: angenommen, es gäbe irgendwo in Deutschland eine Doppelstadt, deren Einwohner zusammen rund 180.000 betragen würden. Die Größere der beiden wäre doppelt so groß, wie die kleinere der beiden und die beiden lägen auch noch in unterschiedlichen Bundesländern, einzig und allein durch einen Fluß getrennt.

Angenommen in der größeren der beiden Städte säße ein Zeitungsverlag, der der regionale Platzhirsch wäre und ein Quasi-Monopolist. Und angenommen in dieser Stadt säße auch ein Radiosender der als Bereichssender als Gesellschafter eben jenen Zeitungsverlag sowie einen weiteren Zeitungsverlag einer benachbarten Region hätte in der der erste Verlag quasi nicht oder kaum tätig ist.

Angenommen in dieser Doppelstadt gäbe es ein über 10 Jahre altes Internetportal, das seinen Nutzern Funktionen zur Kommunikation untereinander und auch Informationen zur Freizeitgestaltung bieten würde. Ein regionales soziales Netzwerk mit integriertem Stadtmagazin. Das Einzugsgebiet vergleichbar dem des Zeitungshauses und des Radiosenders. Und dieses Portal wäre überaus erfolgreich und hätte mit über einer halben Million registrierten Nutzern, 1 Mio. eindeutigen Nutzern und über 225 Mio Seitenaufrufen monatlich eine Größe erreicht, von der auch der ein oder andere Bürgermeister dieser Stadt bei Fachtagungen nicht ganz ohne Stolz sprechen würde. Und angenommen, dieses Portal wäre dazu noch ehrenamtlich betrieben.

Szenario 1

Man sollte meinen, der erstgenannte Zeitungsverlag, der Radiosender und das Portal würden sich sofort zu einem Interessenskreis zusammenschließen und ihre regionale Stärke in ihren verschiedenen Disziplinen jeweils voll ausspielen und sich damit gegenseitig zum Nutzen aller (auch den Lesern, Hörern und Nutzern) gemeinsame Projekte durchziehen und alles dafür tun, um sich gegenseitig zu stützen und den Bewohnern der Region zu zeigen, dass nicht nur die Wirtschaft der Region toll ist, sondern auch die Medien der Region einzigartig sind und etwas Einzigartiges zu bieten haben. Ein Leuchtturmprojekt für diese Region in ganz Deutschland. Erstmal frei von allen wirtschaftlichen Aspekten… diese würden dann sicherlich aber im Laufe der Zeit nicht ausbleiben und auch allen zahlengetriebenen Geschäftsführern der Beteiligten ein Freudestrahlen ins Gesicht zaubern.

Sollte man meinen.

Szenario 2

Was aber hätte man davon zu halten, wenn der Zeitungsverlag sich zuerst zu einer Zusammenarbeit mit dem Portal entschliessen würde, um dann nach 2,5 Jahren selbst viel Geld in ein Konkurrenzportal zu stecken, das bisher in der Region keinen Namen hat und mit viel Geld und Aufwand erst noch aufgebaut werden müsste? Und dem ein durchschlagender Erfolg nicht nur Brancheninsider sondern sogar die Nutzer selbst absprechen würden? Von der Zielsetzung des Portals einmal ganz abgesehen (“Zeitungsleser generieren”).

Was müsste man ferner davon halten, wenn von dem Radiosender zwar immer wieder kleine Signale in Richtung des erstgenannten Portales geschickt würden, dann aber Terminanfragen unbeantwortet blieben und auf einmal das vom Zeitungsverlag gepushte Konkurrenzportal in einer 3-stündigen Radioshow als Partner mit erwähnt würde, um nur acht Tage später einen ganzen Tag kostenlose Werbung für das amerikanische Portal “Facebook” in redaktionellen Beiträgen zu fahren und dann auch noch stolz Höreranrufe über den Äther geschickt würden, in denen diese davon berichteten, sich extra für das Gewinnspiel des Senders, bei dem es 10.000 EUR im Austausch gegen einen ganz bestimmten 10 EUR Schein zu gewinnen gäbe, bei eben Facebook angemeldet zu haben? Beim Lotto gäbe es mit wahrscheinlich ähnlicher Gewinnwahrscheinlicheit übrigens ein Mehrhundertfaches davon.

Wie eine weitere mögliche Entwicklung von Facebook ist, und warum Facebook in Kürze auch speziell regionalen Medien und VOR ALLEM Radiosendern und regionalen Nachrichtenmedien enorme Probleme bereiten könnte, habe ich übrigens hier ausgeführt. Und diese, meine Theorie, finde ich auch indirekt in den 23 Thesen von Jochen Wegner, dem scheidenden Focus-Online-Chefredakteur wieder.

Umso paradoxer, wenn Medien nun dem allgemeinen Hype folgend, Facebook hinterherhecheln würden, ihre Hörer und Leser drauf los hetzen würden und dabei die regionalen Möglichkeiten in denen sie auch künftig eine Rolle spielen könnten völlig außen vor lassen würden. Denn indem sie die eigenen Leser und Hörer zu Facebook schickten, würden sie sich selbst das eigene Grab schaufeln.

Die Leser und Hörer dort abholen wo diese sich ohnehin befinden und in das eigene Medium integrieren: sehr gut und muss sein. Sie in andere Medien, die noch nicht einmal in Kooperation zum eigenen Haus stehen, zu scheuchen: unternehmerischer Kurzblick der extremen Art.

Fazit

Jeder “normal” denkende Mensch würde bei der Schilderung von Szenario 2 antworten, dass das eine schöne Geschichte für’s Kino sei und in der Realität wohl doch hoffentlich nie und nimmer vorkommen würde.

Oder etwa doch?

Man darf ja schließlich nicht ganz vergessen, dass es in der Gesellschaft auch noch persönliche Befindlichkeiten, Machtkämpfe, Kompetenzgerangel und Grabenkämpfe gibt. Sowas wie Kindergarten. Nur viel schlimmer. Weil es im Arbeitsleben um die Existenzgrundlage vieler Familien geht.


Flattr this

Von der Entmachtung eines Riesen durch einen Anderen – und Zwergen, die dabei auf der Strecke bleiben

Montag, 18. Oktober 2010

Google rockt. Mit Google lassen sich viele Dinge einfach und unkompliziert erledigen. Google findet für mich in Sekundenbruchteilen Webseiten, Adressen und Telefonnummern. Google navigiert mich dorthin, wo ich hinmöchte. Google sagt mir, wann ich welche Termine habe, Google hilft mir, die Nutzung meiner Webseiten zu analyieren und Google hilft mir, wenn es darum geht, Werbung zu machen. Das ist alles sehr fein, rund und durchdacht.

Aber es fehlt etwas dabei.

Ich will mit meinen Freunden kommunizieren, mich austauschen zu aktuellen Themen, Belanglosigkeiten und zu politischen wie auch gesellschaftlichen Fragen. Und ich schätze es, wenn mir Freunde unkompliziert einen Hinweis auf eine interessante Begebenheit oder zum aktuellen Zeitgeschehen schicken und ich mich dann womöglich auch noch direkt austauschen kann, wann ich wo was mit wem mache. Denn damit lassen sich ganz neue Möglichkeit der Freizeitgestaltung finden. Das kann ich bei Google zwar auch, aber nur sehr kompliziert via Email. Deutlich schicker geht das in sozialen Netzwerken.

Dort kann ich mich auch noch über die Vorlieben meiner Freunde informieren und erhalte sogar Empfehlungen meiner Freunde andere Artikel mit Nachrichten oder Hintergrundinformationen, meistens aus Blogs, manchmal von Nachrichtenportalen, die solide, tiefgreifend und nachhaltig recherchieren. Von meinen Freunden weiß ich aus Erfahrung schon ungefähr, wie diese denken und ticken und wie ich die Empfehlungen eines jeden einzelnen in meiner persönlichen Werteskala einordnen kann. Ausserdem habe ich auch noch meine eigenen Nachrichtenquellen (Blogs, gute Newsportale, in der Regel überregional), von denen ich aus der Vergangenheit ebenfalls über eine Erfahrungshistorie verfüge.

Mit anderen Worten: ich besorge mir die für mich relevanten regionalen News über eigene Aggregation aus unterschiedlichsten Quellen  – den geringsten Stellenwert hat dabei der regionale Nachrichtenplatzhirsch im Zeitungsbereich. Die studiere ich maximal ergänzend über deren Webseite. Zeitungsabo? Wozu? Die Nachrichten auf der Seite dieses Zeitungsverlages haben meistens eher unterhaltsamen Wert. Nice to have read. Nothing I’d like to pay for. Die wirklich relevanten News bekomme ich anders – siehe oben.

Radiohören? Fehlanzeige. Ich habe kein Radio mehr in meiner Wohnung. Äh… nicht ganz richtig. Es hat über ein dreiviertel Jahr gedauert, bis ich nach der Anschaffung meines aktuellen DVD-Players festgestellt habe, dass der auch Radio empfangen kann. Seither habe ich das nie wieder benötigt oder genutzt. Musik kommt hier von der CD. Oder aus dem Internet via Sparten-Sender-Streams. Und wenn ich mich in der Generation U25 umschaue, dann weiss ich zwar zum Einen, dass ich mit meinen 31 Lenzen zu den älteren Herrschaften dieser Nutzungsweise gehöre, ich aber bei weitem nicht alleine bin und diese Nutzungsart immer mehr um sich greift. Multichannel, Multitasking, Selbst aggregiert. Das ist die Mediennutzung der Zukunft. Und wenn man das näher betrachtet treten die Vertreter dieser Nutzungsgeneration in 3 bis 10 Jahren ins Berufsleben ein. In 10 bis 15 Jahren wird diese Art der Mediennutzung selbstverständlich sein und vom überwiegenden Teil der Gesellschaft so vorgenommen werden.

Für regionale Zeitungsangebote wird es dann richtig dünn, wenn sie nicht zügig (und damit meine ich JETZT) auf hochwertige Berichterstattung setzen, die auf fundierten Recherchen basiert und die in einer der jeweiligen Berichtsart bestmöglich angepasste Informationsaufbereitung mündet, für die die Leser wieder bereit sind, Geld in die Hand zu nehmen. Als Stichwort möge da einfach mal “Crossmedia” dienen. Und nein, damit meine ich nicht die Verquickung von Print mit online, sondern die Ausnutzung der verschiedenen Medien, die online möglich sind (Text, Bild, Video und Kombinationsformen daraus). Print wird zunehmend eine Randerscheinung werden (aber als solche bestehen bleiben, solange irgendwie wirtschaftlich machbar).

Für Radio sieht es noch schwärzer aus. 08/15 Dudelfunk ist angezählt. Und zwar nicht erst seit gerade eben, sondern schon seit vor 10 Jahren mit Livestreams die Verbreitung von Spartenradios weltweit kein Problem mehr ist. Mit Musik können diese Sender nicht mehr punkten, da sie zu den wenigsten Zeitpunkten genau das bringen können, was der einzelne Zuhörer auch wirklich gerade dann hören möchte. Geschweige denn irgendwelches oberflächliche Gelabere, mit dem die musik- und werbefreie Sendezeit irgendwie gefüllt wird. Am meisten zum Abschalten verleiten irgendwelche frühmorgendlichen viel zu aufgekratzten Morgenkasper-Anchorman-Sendungen. Wenn man denn überhaupt noch regelmässig Radio hört. Denn: Musikwert = Null. Nachrichtenwert = Null. Unterhaltungswert = Null.

Im Nachrichten- und Radiobereich werden künftig schlanke individuelle von jedem Höhrer selbst definierbare Musik-, Unterhaltungs und Nachrichtenformate gefragt sein, die sich intelligent an das Nutzerverhalten anpassen.

Na, klingelt’s schon?

Es gibt zwei Internetriesen, die dazu am ehesten in der Lage sein dürften, weil sie bereits jetzt über einen riesigen Datenpool verfügen und den künftig noch weiter ausbauen: Google und Facebook. Und Facebook hat sich mit Microsoft einen Gesellschafter ins Haus geholt, der mit Bing über eine zukunftsfähige Suchmaschine verfügt, die durchaus dazu in der Lage sein könnte, Google irgendwann einmal ernsthaft Sorgen zu bereiten. Wenn das mit den Funktionen von Facebook direkt verknüpft wird, und dazu auch noch Musiksender und Nachrichtenquellen aggregiert werden, die jeweils den Vorlieben der Nutzer angepasst angezeigt werden, dann wird igoogle ziemlich alt aussehen und Facebook zur Killerapp im wörtlichen Sinne. Für regionale Zeitungsverlage und für Radiosender, die sich nicht entsprechend positionieren werden und das nicht erst in Jahrzehnten.

Im Jahr 2020 wird die Medienwelt und -nutzung völlig anders aussehen als heute.


Flattr this

Ich halte Sie für dumm

Donnerstag, 23. September 2010

In Ulm war am vergangenen Montag eine Veranstaltung mit dem Titel “Einsatz von sozialen Medien in Kommunen”. Nachdem ich dem Thema “soziale Medien” nicht allzu ferne stehe, hatte ich mich dazu angemeldet. Und nicht nur ich, sondern auch ein paar Mitstreiter (der links neben mir sowie der hier und der hier) waren dabei. Wir fanden das Thema sehr interessant und wollten uns informieren, wie aus kommunaler Sicht mit dem Thema Soziale Medien umgegangen wird, und was dazu auch für die Zukunft überlegt wird.

Die Vortragenden

Die Vortragenden waren Jörg Blumenthal, der für die Stadt Mannheim seit über zwei Jahren aktiv ist und Erfahrungswerte hat, Gunter Czisch, Finanzbürgermeister der Stadt Ulm, der sich auch das Thema Neue und Soziale Medien auf die Fahnen geschrieben hat, Bernhard Jodeleit, Mitarbeiter einer Agentur, die in diesem Bereich kommunale Kunden betreut, Uli Sailer, der seit April diesen Jahres für die Stadt Gerlingen Erfahrungswerte sammelt, sowie Georg Schäfer, Leitender Ministerialrat im Innenministerium Baden-Württemberg und für den Datenschutz zuständig, Rechtsanwalt Dr. Carsten Ulbricht sowie Prof. Dr. Jörn von Lucke, von der Zeppelin University der T-City Friedrichshafen.

Die Inhalte

Es wurde viel von bereits bestehenden Projekten – teils auch im benachbarten Ausland berichtet, technische Möglichkeiten und geplantes der Stadt Ulm wurde aufgezeigt, Chancen und Risiken in der Nutzung von Sozialen Medien wurden aufgezeigt, sowie rechtliche Aspekte beleuchtet. Die beiden Vertreter der Städte Mannheim und Gerlingen berichteten über ihre Erfahrungswerte. Sehr interessant fand ich darüber den motivierten und engagierten Vortrag Gunter Czischs. Der lies durchblicken, dass die Stadt Ulm für das Thema sehr aufgeschlossen ist. Das lässt hoffen.

Besonders die Stadt Mannheim hat nach über zweijährigem Engagement bereits ein paar berichtenswerte Dinge aufzuweisen. Zum Beispiel der Fall, in dem Seitens eines Juristen der Stadt festgestellt wurde, dass es einen von einer Privatperson betriebenen Twitter-Account mit dem Namen “mannheim” gibt. Dieser wurde daraufhin abgemahnt. Und – oh Wunder – die Stadt Mannheim hatte ihren ersten Shitstorm ausgelöst. Meiner subjektiven Wahrnehmung nach war da selbst über zwei Jahre später wenigstens noch ein teilweises Unverständnis über den Shitstorm beim Vortragenden erkennbar. Ich kann mich aber auch getäuscht haben. Ab diesem Punkt verhedderte der diensterfahrene Herr Blumenthal, der nicht müde wurde, seine 31 Dienstjahre zu erwähnen, sich dann aber doch etwas in der Materie. Von Google StreetView-Bashing ging es weiter zu gelöschten stadteigenen Luftbildern auf der kommunalen Website bis hin zu der Feststellung, dass man die Nutzung der Dienste den Bürgern nicht empfehlen könne, und man erst auf Regeln warten müsste, bevor man die Dienste guten Gewissens weiter verwenden sollte. Ein bisschen würde aber auch die Stadt Mannheim die Dienste weiterhin in Anspruch nehmen.

Bei seiner Forderung nach Regeln hat der gute Herr Blumenthal leider übersehen, dass es für das Internet keines neuen Grundgesetzes bedarf, sondern die deutschen Gesetze auch dafür uneingeschränkt gelten. Und auch der durch das Internet entstandene vorübergehende rechtliche Freiraum wurde vom Gesetzgeber inzwischen bearbeitet und geregelt. In Deutschland gilt das Datenschutzgesetz, das Telemediendienstgesetz und – soviel zum Thema Google Streetview – im Kunsturhebergesetz auch die Panoramafreiheit. Zu behaupten, die Veröffentlichung von Fassaden von Wohnhäusern und anderen Gebäuden, die vom öffentlichen Straßenraum aus eingesehen werden können, verletze den Datenschutz ist – gelinde gesagt – an den Haaren herbeigezogen. Aber das ist eine andere Baustelle.

Das “Get-Together”
Beim abschließenden “Get-Together” gesellte ich mich zu einer Gruppe hinzu, die aus Stefan und dem leitenden Ministerialrat Herrn Schäfer vom Innenministerium BW bestand. Ich nahm seine Ausführungen die er im Gespräch mit Stefan tätigte erstaunt zur Kenntnis. Denn er erklärte Stefan, dass alle großen amerikanischen Dienste die über sie gewonnenen Daten der Regierung übermitteln würde und man dadurch leicht als Terrorist betrachtet werden und seine Rechte verlieren könnte. Herr Schäfer gab sich nicht die Mühe, Stefans Ausführungen aufzunehmen und so sah sich Stefan genötigt, den ehrenwerten Vertreter des Innenministeriums zu fragen: “Halten Sie mich für dumm?” – was mit einem gut wahrnehmbaren aber ebenso knappen “Ja” beantwortet wurde. Ein gefundenes Fressen für den so bezeichneten, dessen angemessene Antwort wiederum mit einem “Sie sind doch viel zu jung.” quittiert wurde. Stefan beendet demnächst sein Studium und gehört nicht zu denjenigen die ihr Abitur mit 15 absolviert haben….

Nach einem “You’ve been warned”, das Herr Schäfer mehrfach als Universalantwort vom Stapel lies, gab Stefan auf und entfernte sich. Ich wollte dagegen noch nicht aufgeben und fragte Herrn Schäfer daraufhin, ob er denn nicht der Meinung sei, dass man als erwachsener Bürger Selbstverantwortung auch über die eigenen Daten übernehmen möchte und durchaus in der Lage sei, selbst darüber zu bestimmen, wer die eigenen Daten erhalten dürfe und wer nicht, wurde von ihm vehement bestritten: “Sie wissen doch gar nicht, worauf Sie sich da einlassen” – es kam wieder die Mär vom Terroristen (s.o.).

Die (nicht ernstzunehmenden) Totschlagargumente

Da er dabei einen Rundumschlag von Google über Facebook und Lufthansa tätigte, sah ich mich zu der Frage genötigt: “Dann sollte ich also Ihrer Meinung nach am besten nachher zu Hause das Kabel aus der Wand ziehen und nie mehr ins Internet gehen und am besten für immer zu Hause blieben?” – Seine Antwort war, dass man das so auch nicht sagen und sehen könne und überhaupt… woraufhin er sich von selbst zum Kuchenbuffet trollte. Seiner Kollegin gab ich mit auf den Weg, dass wenn die Bevölkerung schon nicht in der Lage sei, selbst über die eigenen Daten zu bestimmen, das doch ein hervorragender bildungspolitischer Auftrag wäre. Das Gegenargument war nicht weiter verwunderlich: “Aber dazu sind die Lehrer doch gar nicht in der Lage, die haben doch selbst keine Ahnung….”

German Angst – Kommunal.

Weitere Texte dazu:
German Angst, Kommunalausgabe
Social Media in Kommunen – Da kommt noch viel Arbeit!

Der Rechtsanwalt und der Datenschutz

Freitag, 03. September 2010

Nach 10 Jahren Betrieb eines Sozialen Netzwerkes hat man schon so einiges erlebt. Vor allem in rechtlicher Hinsicht. Und man kennt die wichtigsten Gesetze natürlich und hat auch ein Gefühl dafür, was rechtmäßig ist und was sich eher im rechtlich dunkleren Grauzonenbereich bewegen könnte.

Neulich im Briefkasten: Das Schreiben eines Anwalts. Eine stolze DIN-A 4 Seite lang. Nichts, was die körpereigenen Schweißdrüsen auch nur annähernd in überdurchschnittliche Aktivität versetzen würde. Der Inhalt im Kern: Man möge seiner Mandantin doch bitte bestätigen, dass der Account $xyz von Person $abc (die nicht die Mandantin ist)  betrieben würde.

Ja nee. Is klar. Wir sind ja hier auch im Wunschkonzert und jeder darf über seinen Anwalt die Daten eines beliebigen Accounts bestätigen lassen… Datenschutz? Was ist das?

Der Anwalt gab beim Telefonat übrigens an, dass er das nicht so sehen würde, dass das Vorgehen gegen den Datenschutz verstoße….

Datenweitergabe

Donnerstag, 02. September 2010

Anfrage eines Nutzers im Support eines Sozialen Netzwerkes:

ich hab mit einer geschrieben und dann hat sie gesagt ich soll sie anrufen das wollte
ich aber nicht und dann hat die erst bei eMeetings meine nummer rein gemacht das hab
ich dann gemeldet und dann hat die in mein profil geschrieben ja fake und so was soll
ich da machen ?

Wie wäre es mit “eigene Nummer nicht an jeden weitergeben”?