Google rockt. Mit Google lassen sich viele Dinge einfach und unkompliziert erledigen. Google findet für mich in Sekundenbruchteilen Webseiten, Adressen und Telefonnummern. Google navigiert mich dorthin, wo ich hinmöchte. Google sagt mir, wann ich welche Termine habe, Google hilft mir, die Nutzung meiner Webseiten zu analyieren und Google hilft mir, wenn es darum geht, Werbung zu machen. Das ist alles sehr fein, rund und durchdacht.
Aber es fehlt etwas dabei.
Ich will mit meinen Freunden kommunizieren, mich austauschen zu aktuellen Themen, Belanglosigkeiten und zu politischen wie auch gesellschaftlichen Fragen. Und ich schätze es, wenn mir Freunde unkompliziert einen Hinweis auf eine interessante Begebenheit oder zum aktuellen Zeitgeschehen schicken und ich mich dann womöglich auch noch direkt austauschen kann, wann ich wo was mit wem mache. Denn damit lassen sich ganz neue Möglichkeit der Freizeitgestaltung finden. Das kann ich bei Google zwar auch, aber nur sehr kompliziert via Email. Deutlich schicker geht das in sozialen Netzwerken.
Dort kann ich mich auch noch über die Vorlieben meiner Freunde informieren und erhalte sogar Empfehlungen meiner Freunde andere Artikel mit Nachrichten oder Hintergrundinformationen, meistens aus Blogs, manchmal von Nachrichtenportalen, die solide, tiefgreifend und nachhaltig recherchieren. Von meinen Freunden weiß ich aus Erfahrung schon ungefähr, wie diese denken und ticken und wie ich die Empfehlungen eines jeden einzelnen in meiner persönlichen Werteskala einordnen kann. Ausserdem habe ich auch noch meine eigenen Nachrichtenquellen (Blogs, gute Newsportale, in der Regel überregional), von denen ich aus der Vergangenheit ebenfalls über eine Erfahrungshistorie verfüge.
Mit anderen Worten: ich besorge mir die für mich relevanten regionalen News über eigene Aggregation aus unterschiedlichsten Quellen – den geringsten Stellenwert hat dabei der regionale Nachrichtenplatzhirsch im Zeitungsbereich. Die studiere ich maximal ergänzend über deren Webseite. Zeitungsabo? Wozu? Die Nachrichten auf der Seite dieses Zeitungsverlages haben meistens eher unterhaltsamen Wert. Nice to have read. Nothing I’d like to pay for. Die wirklich relevanten News bekomme ich anders – siehe oben.
Radiohören? Fehlanzeige. Ich habe kein Radio mehr in meiner Wohnung. Äh… nicht ganz richtig. Es hat über ein dreiviertel Jahr gedauert, bis ich nach der Anschaffung meines aktuellen DVD-Players festgestellt habe, dass der auch Radio empfangen kann. Seither habe ich das nie wieder benötigt oder genutzt. Musik kommt hier von der CD. Oder aus dem Internet via Sparten-Sender-Streams. Und wenn ich mich in der Generation U25 umschaue, dann weiss ich zwar zum Einen, dass ich mit meinen 31 Lenzen zu den älteren Herrschaften dieser Nutzungsweise gehöre, ich aber bei weitem nicht alleine bin und diese Nutzungsart immer mehr um sich greift. Multichannel, Multitasking, Selbst aggregiert. Das ist die Mediennutzung der Zukunft. Und wenn man das näher betrachtet treten die Vertreter dieser Nutzungsgeneration in 3 bis 10 Jahren ins Berufsleben ein. In 10 bis 15 Jahren wird diese Art der Mediennutzung selbstverständlich sein und vom überwiegenden Teil der Gesellschaft so vorgenommen werden.
Für regionale Zeitungsangebote wird es dann richtig dünn, wenn sie nicht zügig (und damit meine ich JETZT) auf hochwertige Berichterstattung setzen, die auf fundierten Recherchen basiert und die in einer der jeweiligen Berichtsart bestmöglich angepasste Informationsaufbereitung mündet, für die die Leser wieder bereit sind, Geld in die Hand zu nehmen. Als Stichwort möge da einfach mal “Crossmedia” dienen. Und nein, damit meine ich nicht die Verquickung von Print mit online, sondern die Ausnutzung der verschiedenen Medien, die online möglich sind (Text, Bild, Video und Kombinationsformen daraus). Print wird zunehmend eine Randerscheinung werden (aber als solche bestehen bleiben, solange irgendwie wirtschaftlich machbar).
Für Radio sieht es noch schwärzer aus. 08/15 Dudelfunk ist angezählt. Und zwar nicht erst seit gerade eben, sondern schon seit vor 10 Jahren mit Livestreams die Verbreitung von Spartenradios weltweit kein Problem mehr ist. Mit Musik können diese Sender nicht mehr punkten, da sie zu den wenigsten Zeitpunkten genau das bringen können, was der einzelne Zuhörer auch wirklich gerade dann hören möchte. Geschweige denn irgendwelches oberflächliche Gelabere, mit dem die musik- und werbefreie Sendezeit irgendwie gefüllt wird. Am meisten zum Abschalten verleiten irgendwelche frühmorgendlichen viel zu aufgekratzten Morgenkasper-Anchorman-Sendungen. Wenn man denn überhaupt noch regelmässig Radio hört. Denn: Musikwert = Null. Nachrichtenwert = Null. Unterhaltungswert = Null.
Im Nachrichten- und Radiobereich werden künftig schlanke individuelle von jedem Höhrer selbst definierbare Musik-, Unterhaltungs und Nachrichtenformate gefragt sein, die sich intelligent an das Nutzerverhalten anpassen.
Na, klingelt’s schon?
Es gibt zwei Internetriesen, die dazu am ehesten in der Lage sein dürften, weil sie bereits jetzt über einen riesigen Datenpool verfügen und den künftig noch weiter ausbauen: Google und Facebook. Und Facebook hat sich mit Microsoft einen Gesellschafter ins Haus geholt, der mit Bing über eine zukunftsfähige Suchmaschine verfügt, die durchaus dazu in der Lage sein könnte, Google irgendwann einmal ernsthaft Sorgen zu bereiten. Wenn das mit den Funktionen von Facebook direkt verknüpft wird, und dazu auch noch Musiksender und Nachrichtenquellen aggregiert werden, die jeweils den Vorlieben der Nutzer angepasst angezeigt werden, dann wird igoogle ziemlich alt aussehen und Facebook zur Killerapp im wörtlichen Sinne. Für regionale Zeitungsverlage und für Radiosender, die sich nicht entsprechend positionieren werden und das nicht erst in Jahrzehnten.
Im Jahr 2020 wird die Medienwelt und -nutzung völlig anders aussehen als heute.
